Mein erstes Linux
lernte ich 1997 kennen. Es war die Distribution SuSE 6.1, die ich neugierig auf meiner
zweiten Festplatte neben Windows 95 installiert.
Es lief weitgehend ohne Probleme, doch in Ermangelung an Programmen war der
Gebrauchswert doch sehr eingeschränkt. Nach ein paar weiteren Versuchen verschwand es
wieder von meiner Festplatte und der Karton mit den Floppydisk verstaubte im Regal.
SuSE 8.1 als Dateiserver
Im Jahr 2004 fiel mir dann die SuSE 8.1 Version in die Hände und ich unternahm einen
erneuten Versuch mit Linux. Hier war schon mehr Potential für eine Alternative zu Windows
zu erkennen. Ich baute damit mal einen Dateiserver (SAMBA) auf, um mich damit vertraut
zu machen.
Linux-Unix-User-Gruppe Seevetal
Aus der Zeitung erfuhr ich von der Linux-Unix-Usergruppe-Seevetal, der ich mich anschloss,
um weitere Erfahrungen mit Linux zu machen und diese mit anderen zu teilen. In dieser
Gruppe war ich dann für die Wartung der Homepage zuständig.
Es folgte noch ein weiterer Dateiserver mit CMS unter Knoppix 5.0.
Das wichtigste Programm auf diesem Server war ein Wiki auf Basis von Mediawiki sein. Das
Programm ist kostenfrei und basiert auf Wikipedia, der öffentlichen Encyclopädie.
In diesem Wiki sammelte ich zahlreiche Infos, Tipps und Tricks rund um Computer, Technik
und Fotografie. Somit war alles an einem zentralen Ort, von jedem PC im Intranet zu Hause
erreichbar und bequem abrufbar.
Um den Server im Büro einzuschalten musste ich nicht einmal den aktuellen Raum verlassen.
Dies geschah per WOL (Wakeup on Lan) von jedem beliebigen Arbeitsrechner im Haus aus.
Auch das Ausschalten geschah ferngesteuert per ssh.
Auf meinem alten Medion LT9888 Notebook Baujahr 1998 hatte ich erfolgreich Knoppix 3.7
pro installiert. Sogar die WLAN-Karte von Longshine funktioniert darin problemlos, was zu
dieser Zeit keine Selbstverständlichkeit war, da WLAN noch in den Kinderschuhen steckte.
2007 fuhr mein Hauptcomputer zweigleisig. Zum einen war darauf ein Windows als
Hauptsystem und Knoppix 3.8 als Alternativsystem installiert. Hier testete ich, wie Linux mit
neuer Hardware klar kam und welche Programme verfügbar für Linux sind.
Nach einigen neuen Kerneln, die ich mittlerweile selbst kompilierte, funktionierte nun auch
die GigaBit-Netzwerkkarte von Sysconnect, das Intel-HD-Audio (Azalia, onboard) und die
PCI-Express-Grafikkarte mit ATI X300SE (1280 x 1024 Pixel).
An dieser Stelle noch einmal meinen Dank an Udo Sobotta und Christian Stein für die
Unterstützung beim "Kernel backen".
Zu dem Maschener Linuxtagen erarbeitete ich ein Projekt für einen Multimedia-Computer
unter Linux. Dieser sollte unter MythTV einen Rechner für DVB-T-TV-Empfang und Aufnahme,
Musikwiedergabe und Verwaltung und DVD-Video-Brenner darstellen. Auf vier Monitoren
gleichzeitig wurde das Multimediawunder dann auch den Interessierten präsentiert. Weitere
Themen der Veranstaltung waren - Firewall mit IP-COP (Dr. T. Thum), Virtualisierung (Dr. F.
Hantelmann), Fileserver auf alter Hardware (U. Sobotta).
Für die Zukunft plante ich bereits den vollständigen Umstieg auf Linux, vorzugsweise auf
Ubuntu. Ubuntu ist die empfohlene Linuxdistribution für Einsteiger und Office-Anwender. Es
ist benutzerfreundlich.
Der Computer meiner Frau und meiner Tochter liefen bis 2009 mit Ubuntu.
Linux ist nicht zu gebrauchen!
Doch es kam anders als geplant. Unsere Linux-Gruppe löste sich auf, da Linux nichts
Interessantes für den Privatanwender zu bieten hatte. Zu den Maschener Linuxtagen kamen
erschrecken wenig Interessierte, denen dort aber hochkarätige Projekte und Präsentationen
kostenlos vorgetragen wurden.
Linux entwickelte sich nicht so weiter, wie ich es erhofft hatte. Wichtige Programme und
Anwendungen fehlen bis heute, oder sind nicht für den Produktivbetrieb geeignet. Im
Bereich Multimedia kommt Linux auch heute nicht an die gebotenen Möglichkeiten von
Windows XP oder Vista heran.
Versuchen Sie unter Linux selbst mal ein Video zu schneiden und mit Motionmenü auf DVD
zu bringen, Fotos intuitiv zu bearbeiten oder eine Datenbank oder nur eine Homepage zu
erstellen. Mit welchem Programm würden Sie eine einfache, benutzerfreundliche
Datensicherung machen?
Es geht nie, ohne selbsterstellte Scripte, Filter oder handoptimierte Konfigurationsdateien
und dann mit zweifelhaften oder oft negativen Ergebnissen!
Linux ist nur so gut, sicher und zuverlässig, wie der Benutzer, der das System wartet. Linux
braucht viel Wartung!
Aus dem “Man kann alles selber machen” wurde nüchtern betrachtet ein “Man muss alles
selber machen - oder/und es geht nichts richtig”.
So ergaben meinen Erfahrungen mit Linux, dass damit auch künftig nur anspruchslose User
arbeiten werden, die aber von Linuxprofis unterstützt werden müssen. Der Nachbar mit
seinen Windows-Erfahrungen kann da keine große Hilfe sein. Linux-Projekte sind i.d.R. nur
von kleinen Nutzergruppen zu gebrauchen.
Ich empfehle daher jedem, der sich als Einsteiger oder Umsteiger für Linux interessiert, mal
eigene Versuche mit z.B. Ubuntu SuSE oder Knoppix zu unternehmen - aber bitte nicht auf
dem einzigen Produktivsystem im Haushalt!
In Ubuntu hat es meine Tochter mit eingeschränkten Benutzerrechten geschafft, wichtige
Einträge aus der Symbolleiste zu löschen. Fortan ist es unter Ihrem Account nur noch zufällig
möglich, per WLAN ins WEB zu gehen, denn u.a. kann auch der Netzwerkmanager nicht
mehr gestartet werden. Sämtliche Foren-Tipps, die das Rekonstruieren der Symbolleisten auf
Konsolenebene beschreiben, waren bisher erfolglos.
Kein Programm unter Linux war eine richtige Killerapplikation, die einer Windows-Anwendung
das Wasser reichen kann oder besser wäre um aus diesem Grund auf Linux umzusteigen.
Das Wiki wurde durch einen Festplattenfehler zerstört. Ein unter Linux vorsorglich
durchgeführtes Backup war unerwartet unvollständig. Die unübersichtliche Bedienung des
Backup-Programms ließ das nicht erkennbar werden. Daher konnten die über ein Jahr
gesammelten Daten des Wiki nicht wieder hergestellt werden.
Sie haben gleiche oder andere Erfahrungen mit Linux gemacht? Ich freue mich über Ihre Mail
dazu.
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© Copyright 2009 für Texte und Fotos - Andreas Baumgärtner
Datum der letzten Änderung: 10.08.2009